Donnerstag, 31. Dezember 2015

PPP. Drei Buchstaben, die mein Leben veränderten

PPP. Drei Buchstaben, die mein Leben veränderten


"Ein Jahr in den USA verbringen? Wäre schön, aber wird wohl immer nur ein Traum bleiben." - Ich bis vor einem Jahr.

Mein Name ist Jonathan, ich bin 18 Jahre, und komme aus dem beschaulichen Hildesheim im beschaulichen Niedersachsen. Wie in meinem Alter mehr oder weniger üblich, gehe ich noch zur Schule. Eigentlich hätte ich dieses Jahr Abitur machen sollen, aber nun ja, wurde dann doch nix draus. Jedoch nicht aufgrund mangelhafter Leistungen, sondern weil noch was zwischen gekommen ist. Was genau? Das PPP.
PPP?

Genau, PPP. Drei Buchstaben, die mein Leben veränderten.


...Na gut, vielleicht nicht die Buchstaben selber, sondern eher das, wofür sie stehen, und zwar für das Parlamentarische Patenschafts-Programm, ein Austauschprogramm zwischen dem U.S. Congress und dem Deutschen Bundestag.

Dieses Programm besteht seit über 30 Jahren und ermöglicht es aufgeweckten jungen Menschen, das Jahr ihres Lebens im jeweils anderen Land (USA oder Deutschland) zu verbringen! 



Das PPP hilft vor allem denjenigen, denen solch ein Unterfangen aufgrund ihrer finanziellen Situation sonst verwehrt bleiben würde, wie es auch bei mir der Fall war. Dank des Stipendiums habe ich die Möglichkeit bekommen, mein Abitur erst mal zu verschieben, und dafür als "Juniorbotschafter" in Atlanta, Georgia meinen Beitrag zum "kulturellen Austausch" zu leisten.
Dies mag womöglich für den ein oder anderen wie eine bloße Worthülse zum Verkauf von Austauschprogrammen klingen, aber es steckt deutlich mehr dahinter:
Für mich ist es nicht weniger als der beste und womöglich einzige Weg, um Frieden zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen herzustellen und zu erhalten!
Die meisten Konflikte, egal ob früher oder heute, basieren oft auf Missverständnissen, Unwissenheit, und dem daraus resultierendem Hass.



Oder, wie bereits der polnische Schriftsteller Andrzej Szczypiorski festgestellt hat: "Unwissenheit ist die Mutter des Misstrauens, der Feindseligkeit, und Abscheu. Unwissenheit ist auch die Mutter der Angst"


Kultureller Austausch setzt genau da an: Als Austauschschüler ging es für mich nicht nur darum, sich an amerikanischem Essen oder Sehenswürdigkeiten zu erfreuen, sondern voneinander zu lernen. Über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu lernen und zu lehren, um im nächsten Schritt Missverständnisse und Stereotypen zu überwinden.




"Nein, nicht alle Deutschen tragen Lederhosen, wir essen nicht nur Weißwurst und Sauerkraut, und nein, ich esse mein Müsli nicht mit Bier, sondern mit Milch."

Als Austauschschüler in einem anderen Land wird man mit vielen, teils verwunderlichen Fragen konfrontiert. Statt mich über die "Unwissenheit" einiger Mitschüler aufzuregen, habe ich versucht, es als Chance zu sehen, sie darüber aufzuklären, dass Deutschland weder in Asien liegt, noch dass wir immer noch in einer Diktatur leben.

Auf der anderen Seite war auch ich, wie womöglich niemand von uns, komplett frei von stereotypen Vorstellungen von Amerikanern. "Dick, dumm, und Waffenliebend" sind nur einige, ziemlich "uncharmante" Bilder, die den Meisten von uns in den Sinn kommen, wenn es darum geht, einen "typischen Amerikaner" zu beschreiben.
Das Austauschprogramm hat mir die Möglichkeit gegeben, mich eines Besseren belehren zu lassen, und es selbst am eigenem Leib zu erfahren. Und soviel kann ich verraten, ich habe ziemlich viele "echte" Amerikaner kennengelernt, auf denen keines der typischen Vorurteile zutrifft.
Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, über diese Dinge offen zu sprechen, um sie aus der Welt schaffen zu können. 



Wichtig anzumerken ist hierbei, dass selbst die Kommunikation oft von kulturellen Unterschieden geprägt ist:
Ein beliebtes "Fettnäpfchen" für viele ist die Phrase "Hallo wie geht es dir/ihnen?" ("Hi, how are you?), die im Englischen nichts mehr als eine höfliche Begrüßung darstellt. Wer nun das dringende Bedürfnis hat, mit dem Kasierer über seinen Gesundheitszustand zu plaudern, wird oft nur mit einem verwunderlichen Blick abgewimmelt.


Unterschiede wie diese erleichtern den Prozess des "kulturellen Austausches" zwar nicht einfacher, aber umso interessanter und verleihen einem ein Gefühl der Zufriedenstellung, wenn man einmal dahinter gekommen ist, was mit dieser Geste, oder jener Redewendung eigentlich gemeint ist.

Dieses gegenseitige Lernen und Lehren passiert zwar größtenteils unbewusst im Alltag, dennoch gehört noch mehr zu den Aufgaben eines Juniorbotschafters, zum Beispiel die Beteiligung an der "International Education Week": Während dieser Woche ist es die Aufgabe jedes PPP-Stipendiaten, Präsentationen über sein Heimatland zu halten, um der selbst gewählten Zielgruppe, seien es Mitschüler oder Senioren, einen Einblick in die deutsche Geschichte, Kultur, Politik, oder auch den Alltag zu Hause zu geben. Desweiteren gab es die Möglichkeit, zusätzlich einen englischsprachigen Essay zum Austausch zu schreiben, oder ein Video zu erstellen.



Als Motivation hierfür wurde die "International Education Week" von den Austauschorganisationen, z.B. AFS, als Wettbewerb gestaltet, bei dem man in verschiedenen Kategorien eine Reise zur "Better Understanding for A Better World" Konferenz in Disneyworld
Orlando, Florida gewinnen konnte.

Als hätte ich nicht schon genug Glück gehabt, das PPP-Stipendium mein Eigen zu nennen, wurde mir nun also zusätzlich, dank eines von mir geschriebenen Essays, die Teilnahme an dieser Konferenz geboten, die mir die Augen geöffnet hat: In diesen fünf Tagen, am selbstdeklarierten "most magical Place on earth", habe ich über 50 Austauschschüler*innen aus fast zwei Dutzend verschiedenen Ländern kennengelernt. Themen über die gesprochen wurden, waren Religion, Politik, kulturelle Unterschiede, und die von mir viel erwähnten Stereotype. Es ging, wie der Titel der Konferenz bereits verrät, um ein bessere Verständigung für eine bessere Welt. Diese Konferenz hat mir gezeigt, wie wichtig dieser Austausch wirklich ist! Es gab keinerlei Feindseligkeiten bei diesem Treffen, wir haben alle miteinander geredet und gelacht, unabhängig von Religion, Politik, und Herkunft: Menschen aus Pakistan, Israel, Kosovo, Russland, Ukraine, Ägypten, und vielen anderen Teilen der Welt.




Beim Schreiben dieser Zeilen merke ich, wie sehr mich das vergangene Jahr verändert hat, und wie dankbar ich bin, all diese Möglichkeiten bekommen zu haben!
Ich bin weltoffener geworden, toleranter, verständnisvoller, und vieles mehr! Ich habe gelernt, Dinge aus den Augen Anderer zu sehen, Unterschiede wahrzunehmen, zu akzeptieren, und nicht zu voreilig zu urteilen. Ich habe unglaubliche Menschen aus aller Welt kennengelernt, und eine komplett neue Perspektive auf viele Dinge, auch auf mein Leben in Deutschland, bekommen!

Zwar ist ein Austauschjahr immer eine sehr individuelle Erfahrung und nicht alles läuft womöglich so reibungslos wie erwartet, so ist es doch etwas einfach Großes, etwas Emotionales, etwas Unbeschreibliches!


Als ich die Zusage bekommen habe, hätte ich niemals gedacht, dass es eine so prägende Zeit sein kann, die mich so sehr verändert. Man denkt daran, dass man sein Englisch perfektionieren wird und sich die Berufschancen dank eines Auslandsjahres im Lebenslauf womöglich verbessern, aber nicht daran, dass es wirklich "kein Jahr im Leben, sondern ein gesamtes Leben in einem Jahr" ist.

Jede Person die diese Zeilen liest und nicht selber Austauschschüler war, wird mich vermutlich nicht vollständig verstehen können, und dies nicht nur aufgrund der Tatsache, dass dieser Bericht vermutlich nur von Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern strotzt.


Aber, eine Weile nicht mehr in der Lage sein, sich angemessen auf Deutsch artikulieren zu können, seine Schulzeit zu verlängern sodass ich 20 bin, wenn ich mein Abitur schreibe, und dafür die Zeit meines Lebens in einem fernen Land zu haben? Da nehm’ ich die Extrazeit doch gerne in Kauf! :-)